„Die Erfinder des Geldes verreisen jetzt“
Eine Kolumne zur österreichischen Budgetpolitik
Es gibt eine stille Wahrheit, die selten ausgesprochen wird, aber laut zwischen den Budgetzeilen hallt: Geld ist ein Märchen. Eine kollektive Einbildung mit Zahlen dran. Und Österreich erzählt sich dieses Märchen gerade neu – allerdings im Konjunktiv II der Verantwortung.
Das größte Kapitel im neuen Bundesbudget? Pensionen. Dicht gefolgt von Zinsen für alte Schulden. Es ist, als würde man eine Familienkasse aufstellen, in der der Opa das ganze Monat den Braten isst und die Enkel vom Bleistift nagen – aber keiner traut sich, den Einkaufszettel zu hinterfragen.
Gestern in der Straßenbahn: Ein Rudel Pensionisten berichtet enthusiastisch von ihren Reiseplänen. Nicht Südsteiermark oder Attersee – sondern Sri Lanka, Andalusien, Norwegen. Offenbar hat der „Wirtschaftsmotor Pension“ beschlossen, woanders zu tuckern. Man gönnt sich ja sonst nichts. Außer Milliarden.
Denn diese Generation – sagen wir es ruhig – hatte das beste Leben aller Zeiten: wirtschaftlicher Aufschwung, soziale Sicherheit, keine Kriege, billiger Wohnraum, stabile Jobs, dicke Prämien. Und dann? Leben auf Pump, Jahrzehnte lang. Heute zahlen wir alle dafür – inklusive der, die noch gar nicht geboren sind.
Stattdessen spart man jetzt bei Bildung. Bei Klimaschutz. Bei allem, was nicht mit der Vergangenheit zu tun hat. Zukunft ist eben schlecht organisiert, hat keine Gewerkschaft und kann nicht wählen.
Aber keine Sorge: Das Budget ist „konsolidiert“. Was das bedeutet? Niemand weiß es so genau. Wahrscheinlich irgendwas zwischen „wir tun so, als hätten wir einen Plan“ und „bitte vor der Wahl nichts kaputtmachen“.
Die große Pointe bleibt also: Das Geld ist erfunden. Die Schulden sind real. Und die, die am meisten davon hatten, sind jetzt am Flughafen. Bon Voyage.