Ellam shariyaan

🇮🇷 Iran im Schatten des Westens

– Eine Einordnung zwischen Unterdrückung und Widerstand 🧭 Einleitung Der heutige Iran steht im Zentrum globaler Spannungen – als Gegner westlicher Hegemonie, als Unterstützer militanter Gruppen, als Repressionsapparat gegen das eigene Volk. Doch wer diesen Status quo verstehen will, muss tiefer graben: Nicht bei den Parolen von Ayatollahs oder westlichen Kommentatoren, sondern in der Geschichte imperialer Machtprojektion, die seit dem 20. Jahrhundert immer wieder eigenständige Entwicklungen in der Region untergraben hat.

🏛️ 1. Die Wurzel des Konflikts: 1953 als Ur-Trauma Der demokratisch gewählte Premierminister Mohammed Mossadegh wagte es 1951, die iranische Ölindustrie zu verstaatlichen. Die Antwort der USA und Großbritanniens: ein geheimer Putsch (Operation Ajax), der Mossadegh stürzte und den autoritären Schah installierte – samt Folterregime, Geheimpolizei und westlicher Kontrolle.

Dieser Eingriff war kein Einzelfall, sondern der Beginn einer geopolitischen Logik, in der der Iran nicht als souveräner Staat, sondern als Schachfigur im Kalten Krieg und späteren Ressourcenwettlauf behandelt wurde.

🕋 2. Die Islamische Republik: Produkt und Paradoxon Die Revolution von 1979 war eine Reaktion auf dieses jahrzehntelange Trauma – ein kollektiver Versuch, sich von westlicher Bevormundung zu lösen. Doch der daraus entstandene Staat war nicht die freie Gesellschaft, die sich viele erhofft hatten.

Dem Mullah-Regime ist vorzuwerfen: Systematische Unterdrückung von Opposition, Frauen, Künstlerinnen, Journalistinnen

Todesstrafe, Folter, Zensur, Religionszwang

Gewaltsame Niederschlagung von Protestbewegungen, wie zuletzt bei der „Jin, Jiyan, Azadî“-Revolte

Mangel an demokratischer Legitimation: Präsidentschaftswahlen ohne echte Auswahl, gelenkt durch religiöse Räte

Außenpolitische Stellvertreterkriege, die oft Zivilisten in Mitleidenschaft ziehen

Trotz allem: Der Iran ist nicht in seiner Essenz repressiv, sondern ein Land mit einer tiefen kulturellen, intellektuellen und spirituellen Geschichte – und einer Zivilgesellschaft, die immer wieder aufsteht.

🗺️ 3. Der Westen: Selbst ernannter Hüter der Ordnung – mit blutigen Händen Während die USA und Israel sich als Verteidiger von Demokratie und Menschenrechten inszenieren, zeigt der historische und aktuelle Befund etwas anderes:

USA:

Weltweit militärisch präsent

Massenhafte Sanktionen, Drohnenangriffe, Regimewechsel-Politik

Todesstrafe, rassistische Polizeigewalt, wirtschaftliche Ungleichheit, religiöse Einflussnahme

Israel:

Völkerrechtswidrige Besatzung und Siedlungsbau

Diskriminierung arabischer Bürger*innen

Staatlich unterstützte religiöse Dogmen

Einsatz massiver Gewalt gegen palästinensische Zivilisten und Kritiker

Was dem Iran als „Unrechtsstaat“ angelastet wird – Repression, religiöser Einfluss, Gewalt – ist in abgemilderter oder verdeckter Form auch in den vermeintlichen Demokratien des Westens zu beobachten.

🧨 4. Die zerstörte Alternative – oder: Wie der Westen seine Feinde selbst erschuf Jedes Mal, wenn ein Staat versuchte, sich dem westlichen Modell zu entziehen, wurde er unterwandert oder gestürzt:

Mossadegh (Iran)

Allende (Chile)

Lumumba (Kongo)

Árbenz (Guatemala)

Sukarno (Indonesien)

Was folgte, waren entweder autoritäre Regime oder radikalisierte Gegenbewegungen. Der politische Islam des Iran ist nicht unabhängig gewachsen, sondern gewissermaßen das Echo imperialer Gewalt.

⚖️ Fazit: Der Iran ist beides – Täter und Gezeichneter Er ist ein Staat, in dem Menschen um ihre Freiheit kämpfen – gegen ein Regime, das sie unterdrückt. Aber auch ein Staat, der seit über 70 Jahren von äußeren Mächten gedemütigt, isoliert, sabotiert wurde.

Seine Repressionen sind real, aber sie finden in einem System statt, das vom Westen nie leben gelassen, sondern stets bekämpft wurde.

Wer den Iran verurteilt, muss sich auch fragen:

Wem dient die Dämonisierung?

Was wäre geschehen, hätte man die iranische Demokratie 1953 nicht gestürzt?

Warum dürfen die USA und Israel Dinge tun, für die man andere bombardiert?

🌿 Ausblick Die Lösung liegt weder in Sanktionen noch in Kriegen, sondern in:

Echter Souveränität aller Staaten,

Ende imperialer Einmischung,

und einer neuen Ethik internationaler Beziehungen, die auf Gleichwertigkeit, nicht auf Überlegenheit beruht.

Und vor allem: Im Vertrauen auf die Kraft der Zivilgesellschaft – im Iran, im Westen, überall.