Kapitel 2: Ökonomie im Dienst des Lebens
Leitfrage: Wofür wirtschaften wir? Und wie kann eine Wirtschaft aussehen, die allen dient – nicht wenigen?
🧾 Status quo – Die dominante Wirtschaftslogik: Ziel: Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) – egal was wächst.
Erfolg: wird an Umsatz, Gewinn und Rendite gemessen – nicht an Lebensqualität oder Nachhaltigkeit.
Akteure: Unternehmen agieren primär für Shareholder, nicht für Gesellschaft.
Systemfehler:
Umwelt wird ausgebeutet und nicht bilanziert.
Arbeit wird entwertet, wenn sie nicht bezahlt ist (z. B. Pflege).
Werbung schafft künstliche Bedürfnisse.
Menschliche und natürliche Ressourcen werden wie Maschinen behandelt.
🌱 Alternative: Eine regenerative, lebensdienliche Wirtschaft Die Wirtschaft ist ein Werkzeug, kein Selbstzweck. Sie soll das gute Leben für alle ermöglichen.
Wohlstand wird umfassend gedacht: materiell, sozial, ökologisch und kulturell.
Der Fokus liegt auf Bedürfnisorientierung, nicht Bedürfnissteigerung.
Unternehmen sind dienende Organe der Gesellschaft, keine extrahierenden Maschinen.
⚖️ Zentrale Prinzipien einer neuen Ökonomie Gemeinwohlorientierung vor Gewinnmaximierung Unternehmen müssen bilanziell nachweisen, welchen Beitrag sie zum Gemeinwohl leisten – nicht nur zum Eigenkapital.
Ökologische Bilanzierung & Vollkostenwahrheit Umweltverbrauch und soziale Folgekosten (z. B. Klimaschäden, Ausbeutung) müssen in den Preis einkalkuliert werden.
Lokale Kreisläufe statt globaler Ausbeutung Regionaler, saisonaler, sozial eingebetteter Handel hat Vorrang vor globalen Lieferketten mit unsichtbaren Opfern.
Soziale Tätigkeiten aufwerten Pflege, Bildung, Landwirtschaft, Reparatur, Betreuung werden als produktive, hochrelevante Leistungen entlohnt und gesellschaftlich anerkannt.
Werbung regulieren, Sinn statt Reiz fördern Werbeverbote im öffentlichen Raum, Beschränkungen für Kinder- & Konsumwerbung, Entkommerzialisierung der Innenstädte.
Post-Wachstums-Strategie Ziel ist nicht permanentes Wachstum, sondern ökologische Stabilität, sozialer Ausgleich und kulturelle Tiefe.
🛠️ Mögliche Umsetzungsschritte Einführung eines Gemeinwohl-Bilanzgesetzes (nach Christian Felber) – für Unternehmen ab bestimmter Größe verpflichtend.
Schaffung eines öffentlichen Fonds für Zukunftsökonomie: Förderung von Reparaturbetrieben, solidarischer Landwirtschaft, Pflegekooperativen.
CO₂-Preis mit sozialer Rückvergütung: ökologisches Verhalten belohnen, Ungleichheit ausgleichen.
Aufbau einer demokratisierten Finanzwirtschaft: Gemeinwohlbanken, ethische Fonds, regionale Währungen.
Abschaffung von Subventionen für umweltschädliche Praktiken (z. B. Kerosinsteuerbefreiung, Dieselprivileg).
Einführung eines Einkaufsführerscheins für Konzerne: globale Unternehmen müssen ethische, soziale und ökologische Mindeststandards erfüllen, um Zugang zu Märkten zu behalten.
🧩 Spannungspunkte & kritische Fragen: Wie kann eine Wirtschaft ohne Wachstumszwang stabil bleiben?
Wie bewahrt man wirtschaftliche Freiheit, ohne Gemeinwohl aus den Augen zu verlieren?
Wie gelingt ein gerechter Übergang, ohne Millionen Menschen in Angst um Jobs zu stürzen?
Antwortansätze wären z. B.: bedingungsloses Grundeinkommen, Umschulungsfonds, Beteiligung von Arbeiterinnen an Unternehmensentscheidungen, Re-Definition von „Arbeit“.*