Ellam shariyaan

Vom Loslassen der Extreme – und der Rückkehr ins Menschliche

Ich erlaube mir, durchschnittlich zu sein. Nicht aus Resignation, sondern aus Frieden.

Ein gutes, normales Leben ist ein gutes Leben. Es braucht nicht ständig das Außergewöhnliche, nicht immer neue Geschichten, nicht immer das Staunen der anderen.

Ich habe viele Geschichten erlebt – mehr, als ich erzählen kann. Und ich habe gesehen, dass Erlebnisse ihren Wert nicht dadurch gewinnen, dass sie gehört werden.

Vielleicht ist das Erzählen-müssen selbst ein Rest von Suche.

Ich darf müde werden von der Jagd nach Bedeutung. Ich darf bleiben.

Und doch verliere ich nicht meine Offenheit, nicht meine Fähigkeit, durch meine Art in ungewöhnliche Situationen zu geraten. Ich halte sie nur lockerer. Nicht als Pflicht, nicht als Identität – sondern als Möglichkeit.

Denn alles, was lebt, braucht Balance.

Ich nehme Abschied vom stillen Urteil über das „Schafdasein“ der anderen.

Nicht, weil ich die Welt schönrede, sondern weil Überheblichkeit kein Zeichen von Klarheit ist.

Ich sehe den Lärm. Ich sehe die Gier. Ich sehe die Zerstörung, den Überfluss, die rastlose Selbstdarstellung aus innerer Leere.

Und ja – es schmerzt. Aber dieser Schmerz muss nicht in Verachtung umschlagen.

Ich bin nicht hier, um zu richten. Ich bin hier, um anders zu sein.

Nicht besser. Anders.

Ich zerbreche nicht mehr an der Welt. Ich lasse mich von ihr berühren, ohne mich an ihr zu verhärten.

Ich höre zu. Ich spreche weniger. Ich erlaube mir Geduld.

Ich glaube nicht mehr, dass Erwachen bedeutet, außerhalb der Menschlichkeit zu stehen.

Vielleicht bedeutet es, tiefer in sie einzutreten.

Ich wähle Gemeinschaft statt Überlegenheit. Wärme statt Analyse. Großzügigkeit statt Korrektur.

Ich glaube an Gespräche mit Inhalt, an Zuhören ohne Agenda, an Gedanken, die reifen dürfen.

Nicht an den großen Umsturz, sondern an kleine Verschiebungen im Inneren.

Wenn ich etwas „wachrütteln“ will, dann nicht durch Anklage, sondern durch Präsenz.

Vielleicht reicht es, für einen Moment innezuhalten und zu fragen:

Ist das alles wirklich normal? Und: Wie möchte ich selbst leben – mitten darin?