Von der erhabenen Kunst des Einsam-Picknickens im Freibadgrün
Ein launiger Gegen-Traktat in ebenso wohlgesetzten Wendungen
Es gibt eine jener zarten Verrücktheiten, deren der Mensch sich mit stiller Würde hingibt, als wolle er der Welt beweisen: Ich bin nicht nur ein Esser, ich bin ein Genießer! Diese zart-sinnige Abirrung äußert sich in dem unzeitgemäßen, aber beglückend entschleunigten Wunsch, sich mit einem Käsebrot ins Gras zu setzen – und zwar nicht irgendwo, sondern im Halbschatten einer alten Platane, mitten in jenem friedvollen Terrain, das der gemeine Städter Thermalbad nennt.
Gewiss, es gibt keine Tischdecke aus Leinen, keine Zinnteller mit Goldrand, kein Kellnergeklimper in der Luft. Und doch: Was wie der Verzicht auf Annehmlichkeit erscheint, ist in Wahrheit ein Akt kultivierter Selbstveredelung. Man entledigt sich der städtischen Manieriertheit, um der elementaren Lust am Einfachen zu frönen: einem Butterbrot, das nach echter Butter schmeckt, einem Apfel, der kein Etikett trägt, und einem Schluck Wasser, der aus der Flasche und der Ursprungsquelle direkt kommt, nicht aus Kristallglas.
Der Mensch – allein, aber nicht einsam – sitzt dort auf seinem Bett, das sich nicht als Unterlage, sondern als Thron begreift. Vor ihm das satte Grün, über ihm der gleißende Himmel, in der Ferne das Plätschern beglückter Badefreuden, und ringsum eine Stille, die nur von Vogelzwitschern und dem gelegentlichen Blättersäuseln unterbrochen wird – wie eine Sinfonie des Sommers, komponiert von Grillen und Sonnenstrahlen.
Und siehe: Kein Tischbein wackelt, kein Stuhl drückt. Die Knie sind frei, der Rücken darf sich räkeln wie die Gedanken. Man beißt ins Brot – und in einen Moment, der so schlicht wie vollkommen ist. Hier braucht es keinen Service, denn man serviert sich selbst: ein Stück Ruhe, ein bisschen Sonne, eine Prise Zufriedenheit.
So ruft der Verfasser, mit einem Scheibchen Käse zwischen den Lippen und einer Scheibe Himmel im Blick, den ungläubigen Stubenhockern zu: Ja, das Mahl auf der Wiese ist ein Lobgesang auf das einfache Glück! Wer’s nie versucht hat, dem fehlt womöglich nicht nur der Senf, sondern das Verständnis fürs Dasein an sich.
Wien, anno jetzt
Ein genügsamer Sonnenanbeter